Borreliose: Wenn Ärzte an Borreliose erkranken - neue Serie Teil 3

Zur Abwechslung wechseln wir in dieser kleinen Serie mal die Schreibtischseiten und lesen, was Ärzte berichten, die selbst an Lyme-Borreliose & Co. erkrankt sind. Hier geht es zu Teil 1, in dem die englische Ärztin Caroline Rayment ihren Fall schildert und hier zu Teil 2, dem Bericht des englischen Chirurgen Chris J. F. Wilson. Im heutigen Teil der Serie lesen wir die Schilderung des kalifornischen Arztes Jon Sterngold:

 

Als vor über 30 Jahren Lyme-Borreliose in New England förmlich explodierte, war uns das nicht bewusst, doch die Dinge änderten sich. Die Klimaveränderungen, zusammen mit der Änderung der Landnutzung, verbunden mit Tier- und Insektenwanderungen sorgte für eine Zeckenpopulation in den North County Hügeln, die nicht nur Borrelia burgdorferi in sich tragen, sondern auch ein halbes Dutzend anderer Krankheitskeime, die häufig Mensch und Tier co-infizieren und dazu beitragen, dass es extrem schwierig ist, die Lyme-Borreliose (LB) zu heilen.

Sollten Sie diese Krankheit nicht kennen und auch niemanden, der daran leidet, so wird sich das früher oder später ändern. In meinem Überblick hier möchte ich vor allem über die Spät-Borreliose berichten, bzw. dem chronischen Lyme-Borreliose-Komplex und weniger über die akute Borreliose, die für gewöhnlich binnen weniger Wochen oder Monate mit Antibiotika kuriert werden kann.

 

Wenn man nach einem Zeckenstich eine Wanderröte entwickelt, gibt es einen Grund sich medizinisch untersuchen und behandeln zu lassen. Das ist simpel. Doch was passiert, wenn jemand nach einem Zeckenstich nicht direkt Symptome entwickelt? Das ergibt dann leider kein schönes Bild. Leben und Wohlbefinden werden zerstört, eine wirksame Behandlung wird erschwert oder ist gar nicht zu erhalten und die Therapie und Untersuchungen können extrem teuer werden. Gleichzeitig leugnet die medizinische Gesellschaft, die Leitlinien für die Behandlung von Infektionskrankheiten erstellt, dass diese Menschen an einer behandelbaren Infektion leiden. Stattdessen wird ihnen erzählt, sie litten an psychischen Problemen.


Es ist ein ziemlicher Schlamassel und obwohl manche Sonnenstrahlen durch den Nebel dringen, ist es für viele, die schwer erkrankt sind ungemein schwer, wieder zu mehr Wohlbefinden zu kommen. Und es gibt viele von uns.

 

Ich war früher der gesündeste Mensch, den man sich vorstellen kann, aß mit Bedacht, sorgte gut für mich, war mein ganzes Erwachsenenleben lang sportlich und

glaubte an meine Langlebigkeitsgene.


Im Nachhinein betrachtet, hatte mich wohl eine infizierte Zecke in den späten 1980er Jahren gestochen, als ich in der Sherwood Road lebte, nahe dem Wald, in dem Zecken herumkriechen. Ich entwickelte zu der Zeit keine Hautrötung oder andere Symptome. Doch Anfang der 1990er Jahre bemerkte ich einige seltsame Symptome, die mein Herz und meine Innenohrfunktion betrafen. Diese "Symptome" schienen mit der Zeit und mit einigen Medikamenten wieder zu verschwinden. Ganz ohne Antibiotika, da ich nicht auf die Idee kam, an LB zu leiden.  

 

Dann, im Jahr 2000, entwickelte ich schwerwiegende Innenohrprobleme, die jedoch von einem HNO-Arzt nicht spezifisch diagnostiziert werden konnten. Diese ließen im Laufe der Zeit wieder nach, so dass ich 2005 im Alter von 59 Jahren wieder joggen und Sport treiben konnte.

 

Im Frühjahr 2006 war ich jedoch nicht mehr in der Lage, die ersten Stunden eines Tages ohne Hilfe eines Spazierstocks zu stehen. Ich fühlte mich völlig geschwächt, litt an Rückenschmerzen und hatte keine Ahnung, woran das lag. Es gingen mehrere Monate ins Land, in denen ich mich miserabel fühlte, bis ich auf einen alten Kollegen traf, dem ich klagte, dass das Älterwerden nicht einfach sei. Er jedoch vermutete Lyme-Borreliose. "Auf keinen Fall!", antwortete ich, "ich doch nicht!".

 

Doch er hatte Recht. Und nun, dreieinhalb Jahre später, kämpfe ich immer noch mit Symptomen, die noch viel schlimmer wurden, als ich es mir je vorstellen konnte. Das Borreliose-Bakterium liebt Nerven und Herzgewebe. Das Gehirn, die Nerven und Blutgefäße, Muskeln und Gelenke sind infiziert. Die Symptome, die Patienten entwickeln hängen auch von einer Reihe von Faktoren ab, einschließlich der individuellen Genetik und der Rolle von Co-Infektionen. LB im späten Stadium kann ganz verschieden aussehen, von nagenden Schmerzen über Zerstörungen im Gehirn und lebensbedrohlichen Herzsyndromen. Dies alles ist nicht nur die Ursache furchtbarer Leiden für Borreliose-Patienten, es ist auch für die meisten Ärzte praktisch unmöglich, die Spätborreliose zu diagnostizieren und zu behandeln. Die Gründe dafür werde ich noch diskutieren. 

 

Diese Gründe, die Dr. Sterngold anführt, werden wir in der nächsten Folge dieser Serie vorstellen.


Quelle: http://www.lymedisease.org/220/#sthash.2A1ySynE.dpuf


B. Jürschik-Busbach © 2015
 

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